FRANK RIEDE                                                                                                                                                                          kontakt

 

 

 

         HOME                                                                                                                                            aktuell     schauspieler      regisseur      sprecher      biografie      fotos

bilderleistewebsiteriede2012.jpg

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                fotos © urban ruths 2012

zurück zur Liste der Inszenierungen

 

> zu Bildern der Inszenierung

 

> zum Inszenierungsmaterial

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

 

 

2008/2009   Frank Riede & Lars Helmer nach Thomas Mann

BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL

Landestheater Dinslaken

Premiere – 06. Februar 2009

 

Darsteller: Gunnar Blume, Evelyn Cron u.a.

Bühne: Kay Anthony

Kostüme: Daniela M. Decker

 

> die deutsche bühne - Juni 2009

 

Stichproben: Die Bearbeitungen von Thomas Manns gesammelten Werken auf der Bühne

Gedankenraum und Geist der Zeit

Von MICHAEL LAAGES

 

Bis Melle kam der Mann. Bis in die auch als Theater genutzte Mehrzweck-Aula der Heinrich-Böll-Schule, die, wenn’s um Theater geht, zum Festsaal wird. Zuvor war er schon in Hagen und Euskirchen gewesen, und nach diesem Abend im Festsaal von Melle wird er weiter reisen nach Herford, Homberg und Kevelaer. Der Mann, dieser Mann, ist Thomas Mann, und seit Februar diesen Jahres ist er unterwegs mit dem fahrenden Theatervolk der Landesbühne in Dinslaken, der Burghofbühne. In der Bearbeitung von Lars Helmer und Regisseur Frank Riede bringt das Ensemble vom Niederrhein seinen „Felix Krull“ unter die Leute; und an jedem Abend dieser Reise sitzt der Autor irgendwo weiter hinten im Saal und hört und sieht zu, was da aus ihm geworden ist: auf der Bühne.

Immerhin: Er gehört zu den derzeit wirklich viel gespielten Autoren der Gegenwart. […] Generell (und naturgemäß) bieten die Mann-Erkundungen jenseits (der Bearbeitungen) von von Düffel mehr Abwechslung und Überraschung - Frank Riede zum Beispiel erfindet für den „Felix Krull“ aus Dinslaken zunächst mal ein Vorspiel auf dem Theater, also eine Bühne auf der Bühne; denn die hohe Kunst der Verstellung, die Hochstapler-Karriere des jungen Herrn Krull ja später erst so recht in Gang bringen wird, erwächst aus der Liebe des kleinen Felix zum Theater.

Frank Riede […]bindet für die reisende Aufführung aus Dinslaken fast alles ins Interieur des Hotels; grünes Licht schafft darin rätselhafte, magisch schummrige Atmosphäre, und die Projektionswand, die zu Beginn noch Bühne auf der Bühne war, ermöglicht später auch Filmsequenzen, die den Reisenden Krull wie ins Zugabteil versetzen „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ sind hier […] jedoch vor allem ein Spiel mit aufgereizten Phantasien - da stört dann auch die zum Teil doch recht stark verschmockte Sprache nicht. […] 

 

krull_db_bild.jpg

Szene mit Martina Mann, Gunnar Blume und Iris Kunz

aus Frank Riedes „Felix Krull“-Inszenierung

am Landestheater Burghofbühne Dinslaken

 

 

 

 

> Rheinische Post v. 09. Februar 2009

 

Umjubelte Premiere: Publikum feiert „Felix Krull“

Spritzig, witzig, kurzweilig: Diesen Felix Krull muss man lieben. Die Burghofbühne feierte mit der Bühnenfassung von Thomas Mann eine glänzende Premiere.

Ein Charmebolzen im Glück

VON RALF SCHREINER

 

Dinslaken (RP) Thomas Mann war mit seinen "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull" zeitlebens nicht glücklich. Wie sich aus dem Romanfragment eine spritzige, intelligente Komödie fürs Theater destillieren lässt, zeigte die Burghofbühne in der Kathrin-Türks-Halle. Das Publikum jubelte.

Apollon kotzt. Deutlicher lässt sich die Abneigung gegen den eigenen Bruder nicht darstellen. Aber Hermes, Gott der Diebe, hat es schon als Baby faustdick hinter den Ohren. Als frühreifer Knilch klaut er dem Krieger die Rinderherde. Dass er später mit dem Kuhdarm die göttliche Lyra bespannen wird, spart das heiter-parodistische Vorspiel, mit dem Frank Riede und Lars Helmer ihre narzisstisch-ironische Komödie einleiten, aus. Applaus gibt's trotzdem. Der kommt vom Band. Die Welt, sie will betrogen sein.

Tricksen, täuschen, mogeln

Felix Krull ist der geborene Blender. Ein ebenso eleganter wie eloquenter Charmebolzen, der mogelt, trickst und täuscht, die Menschen verschaukelt, einseift und beklaut, und das so geschickt, dass sie sich bei ihm am Ende noch bedanken. Hochstapelei ist eine hohe Kunst. Die Gaunereien des Felix Krull sind durch keine Moralität und Reue behindert. Waren es nie. Das Bekenntnis, das er ablegt, hat nichts von einer Beichte. Es ist Reflexion, wohlgefälliges Erinnern an eine aufregende, glamouröse Jugend voll erotischer Abenteuer.

Frank Riede schickt Krull als androgynes Zwitterwesen auf die Bühne. Ein kühner Kunstgriff und eine hervorragende Idee. Evelyn Cron gibt den alten Krull als altersmilden Schwerenöter, der nicht nur um seine Verdienste weiß, sondern sich auch gern damit brüstet. Souverän fantasiert er sich allerlei auf Hochglanz polierte Trugbilder auf die strahlend helle Bühne, ist ein Geist, der dem jungen Krull nicht von der Seite weicht, ihn erzählend anleitet und – wenn es denn sein muss – Felix auch schon mal den Hosenlatz öffnet, damit jener die Arme frei hat, um galant ein Paar wohlgeformter Frauenbeine zu spreizen.

Gunnar Blume spielt den jungen Krull. Er spielt ihn unvergleichlich gut. Ach was: Dieser 31-jährige Schauspieler aus Leipzig ist hervorragend, die Idealbesetzung für die Rolle, ein Glücksgriff, zu dem man dem Landestheater gratulieren muss. Blume ist wendig, schnell. Wohl akzentuiert und mit erstaunlicher Lässigkeit bringt er die verschraubten Mannschen Satzgebilde zum Glänzen.

ENTDECKEN SIE RP ONLINE

Alle Neuheiten

http://static.rp-online.de/layout/fotos/90x72/HBxJQ5Om.pngGladbach TV
Exklusive Interviews, Stimmen und O-Töne der Fans, Ihre Stars beim Training: Das neue Video-Format bei RP ONLINE: Gladbach TV - der Fußball-Report. Reingucken... mehr 

ENTDECKEN SIE RP ONLINE

Alle Neuheiten

http://static.rp-online.de/layout/fotos/90x72/HBPnhtw2.jpgRP ONLINE jetzt auch auf Ihrem Handy
Das Nachrichtenangebot von RP ONLINE können Sie auch auf dem Handy empfangen - mit einer Vielzahl von Funktionen kann sich der Nutzer einen Überblick... mehr 

ENTDECKEN SIE RP ONLINE

Alle Neuheiten

http://static.rp-online.de/layout/fotos/90x72/ddp_017088009B5D6D4347a759632440.jpgKarneval in Düsseldorf
Die "fünfte Jahreszeit" ist wieder da und die Tage der rheinischen Jecken und Narren sind angebrochen. Die kreativsten Kostüme, die neusten Karnevals-Trends,... mehr 

ENTDECKEN SIE RP ONLINE

Alle Neuheiten

http://static.rp-online.de/layout/fotos/90x72/HBPy7YOX.jpgSpielen Sie das Düsseldorf-Memo
Spielen Sie jetzt vier Varianten des Düsseldorf Memos mit tollen Motiven des bekannten Künstlers und Wagenbauers Jacques Tilly. Viel Spaß beim Finden... mehr 

Felix Krull möchte seine Jugend nicht der Tyrannei eines bürgerlichen Lebens opfern. Sein schauspielerisches Talent hilft ihm dabei. Der Schüttelfrost, mit dem er sich aus dem Schulunterricht simuliert, erinnert an ein Erdbeben. Zugleich macht er Appetit auf die Musterungsszene, dieses wunderbar gefakte epileptische Intermezzo, in dem Gunnar Blume zur Hochform aufläuft. Wie ein gedoptes Mauswiesel lässt er Nervositätsblitze keck über die rechte Schulter zucken, grimassiert, turnt, springt und quasselt Stabsarzt, Priester und Offizier so lange etwas vor, bis endlich auch jenen die Gesichtszüge entgleiten und ein verzweifelt gebrülltes "Ausgemustert!" den Affenzirkus beendet. Von ähnlicher Klasse ist Krulls amouröses Abenteuer mit der ebenso reichen wie lüsternen Madame Houpflé (Martina Mann), die zwischen den Hermes-Waden des Hochstaplers lustvoll gedemütigt ein paar Gipfel erstürmt, wobei sie sich mit verdrehten Augen genussvoll den ehelichen Schmuck von Hals und Ohren stibitzen lässt.

Die Reise führt aus dem Rheingau nach Paris und Lissabon. Aus Felix Krull wird Armand Kroull, aus dem Liftboy ein Oberkellner, der zum wohlhabenden Marquis de Venosta mutiert. Riede erzählt die Geschichte in Episoden auf einer mit aufgespanntem Kuhfell drapierten Einheitsbühne. Für die Hot-Spots hat Kay Anthony eine White-Box gebaut, die sich wahlweise als Rekrutierstube und mittels Projektion als Zugabteil, Klosterinnenhof oder botanischer Garten gestalten lässt. Dass die Inszenierung so unangestrengt daher kommt, liegt an den leichten Bewegungsabläufen, dem atmosphärisch wechselnden Licht, vor allem aber an der durchweg überzeugenden Ensembleleistung.

Ein warmer Schotte

Marco Pickart Alvaro, Iris Kunz, Martina Mann und Anton Schieffer, allesamt mit vier bis fünf Rollen gesegnet, machen ihre Sache richtig gut. Dass Schieffer sich als Lord Kilmarnock aus Aberdeen einen Sonderapplaus erspielt, liegt nicht nur an dem dezent die adeligen Knie umspielenden Karo seines Schottenrocks. Es liegt auch an der wachsweichen Ehrlichkeit, mit der er Felix dem Glücklichen die Wärme seiner Männerbrust anempfiehlt. Felix lehnt ab. Der Lord küsst ihn trotzdem.

Typisch Mann. Starker Beifall für einen äußerst vergnüglichen Theaterabend.

 

 

> NRZ v. 09. Februar 2009

 

Glänzend. Die Burghofbühne adaptierte Thomas Manns Schelmenroman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Ein diebisches Vergnügen

BETTINA SCHACK

,

PREMIERE. Mit Manns "Felix Krull" trug die Burghofbühne die unendliche Leichtigkeit des Scheins des Roman ins Theater.

DINSLAKEN. Vor diesem Bengel sollte man sich in Acht nehmen. Am Daumen nuckelnd sitzt er im Bastkörbchen und trotzt dem göttlichen Strafgericht um sich herum. Ein Baby, aber keineswegs ein unschuldiges. Hermes hat die Weltbühne betreten und prompt seinem Bruder die Rinderherde gestohlen. Was dort an der weißen Wand hänge, sehe aus wie die Oberbekleidung von Kühen, stellt der Rat antiker Götter in einer Mischung aus Gestelztheit, musikalischer Eleganz und sich selbst entlarvender Ironie fest.

Eine Sprache, die die Zuschauer in der Kathrin-Türks-Halle den weiteren Freitagabend begleiten sollte, als Gunnar Blume längst dem Bastkörbchen und der Rolle des Hermesknaben entstiegen war und zum jungen Felix Krull wurde. Gewandt und wandlungsfähig, ein gerissener naiver Tor, die Inkarnation des Olympiers in einer Welt, die sich nur zu gerne von dem von ihr verehrten Boten der Götter, Gott des Handels und Gott der Diebe blenden lassen möchte.

Der Reiz der Doppelnatur

Die Bühnenfassung der "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Frank Riede und Lars Helmer spielt mit der Lust an der Verstellung, dem Reiz der Doppelnatur. Felix Krull ist zwei Personen. Evelyn Cron im eleganten schwarzen Abendkleid verkörpert den Memoirenschreiber, den Ich-Erzähler im Thomas Mann-Roman. Nur für ihr junges, aktiv handelndes Alter Ego (Gunnar Blume) ist sie sichtbar. Sie erklärt, sie stiftet an, das Alter hat sie - oder doch eigentlich ihn? - weise gemacht. Und gemeinsam mit dem Jüngling heckt sie die Schelmenstreiche aus - ein kicherndes Max-und-Moritz-Pärchen auf der Suche nach der Doppelnatur des Lebens. Doch Krull ist dem Schein ebenso zu Lasten des Seins verfallen, wie die Gesellschaft um ihn herum. Alles nur Theaterzauber.

Genau hier setzt die Inszenierung an, wird das Schauspiel zum leichten, streckenweise unglaublich komischen visuellen Literaturgenuss. Iris Kunz, Anton Schieffer, Marco Pickart Àlvaro und Martina Mann schlüpfen in immer neue Rollen, geben ihrem Affen Zucker.

Und Felix Krull Gunnar Blume mittendrin. Tumb, schlitz­ohrig, unverbindlich und vor Lebenslust sprühend. Eine Idealbesetzung an der Seite der wissend lächelnden Evelyn Cron. Herrlich, wie er den Engländer, den Italiener beim Sprachtest imitiert, beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit er die geschraubten Bandwurmsätze Manns fließen lässt. Wie viel Timing hier in der Atemtechnik beim Sprechen steckt, lässt sich nur erahnen.

Wie gekonnt Blume das Timing in der Komik beherrscht, wird spätestens bei der Musterungsszene klar. Da stimmt alles. Vom Schulterzucken bis zum Redeschwall, der an Otto in seinen besten Zeiten erinnert. Dabei klammert Regisseur Riede den eigentlichen Krampfanfall aus. Black-out - Cron umklammert Blumes regloses Gesicht, beschreibt die Grimassen mit den Worten des Romans. Ganz still wird es da im Publikum.

Ein Stück, das prickelte vor Freude an der Schauspielerei und an der Phantasie, die Guckkästen und bewegliche Kulissenteile freisetzen (Bühnenbild: Kai Anthony), ein gelungener Seiltanz zwischen leichter Komödie und anspruchsvollem Literaturtheater. So machte Thomas Mann richtig Spaß.

                                                                                       

 

> Kölner Stadtanzeiger v. 01.03.2009  / Gastspiel in Erftstadt

Ein erfrischender Hochstapler Krull

 

Von Katharina Blaß

 

Gelungene Aufführung im Stadttheater: Befürchtungen, dass das in der Schulzeit als schwere Kost empfundene Werk Thomas Manns Traumata wachruft, lösten sich schnell in Luft auf.

 

 

„Felix Krull“ (gespielt von Gunnar Blume, links) präsentierte sich in der Inszenierung der

Burghofbühne Dinslaken im Euskirchener Stadttheater locker und erfrischend. (Bild: Blaß)

 

Euskirchen - Felix Krull ist der geborene Blender. Ein eleganter und eloquenter Charmebolzen, der mogelt, trickst und täuscht, die Menschen verschaukelt, einseift und beklaut. Und das so geschickt, dass sie sich bei ihm am Ende noch bedanken. Das Landestheater Burghofbühne aus Dinslaken adaptierte den Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ von Thomas Mann und verwandelte den Schelmenroman in ein modernes Theaterstück, das am Wochenende im Stadttheater Euskirchen zu sehen war.

Schauspieler Gunnar Blume spielt die Rolle des jungen, durchschnittlich erscheinenden Felix Krull, der gerade durch seine augenscheinliche Harmlosigkeit sein Lügenkonstrukt aufbauen kann: Nach dem Ruin der elterlichen Sektfabrik startet Felix Krull seinen Siegeszug um die Welt. In Paris wird aus Felix Krull Armand Kroull, aus dem Liftboy ein Oberkellner und schließlich der wohlhabende Marquis de Venosta, als der er mit einem üppigen Vermögen ausgestattet zu einer Reise um die Welt aufbricht.

Wie die Sache ausgeht, erfährt der Zuschauer nicht. Thomas Mann lässt das Ende offen. Die Bühnenfassung von Lars Helmer und Frank Riede konnte das Publikum im Stadttheater durchaus überzeugen. Die für Thomas Mann typischen verschachtelten langen Sätze werden auf der Bühne leicht und locker rezitiert, das Stück zeigt einen Felix Krull, der unangestrengt und erfrischend ist. Die Befürchtung, das in der Schulzeit als schwere Kost empfundene Werk von Thomas Mann könnte alte Traumata aus dem Deutschunterricht wachrufen, löste sich schnell in Luft auf.

Das Bühnenbild von Kay Anthony zeigte sich modern und abstrakt. Weiße Möbel und atmosphärisches Licht dominierten die Bühne, auf der die Darsteller beim Szenenumbau vor den Augen der Zuschauer mit anpackten. Eine große weiße Box wurde mit Hilfe von Projektionen mal zur Rekrutierstube, mal zum Zugabteil oder Klosterinnenhof.

In der Rolle des „alten“ Felix Krull, der dem Publikum seine Memoiren in Rückblenden erzählt, war die bekannte Theater- und Fernsehschauspielerin Evelyn Cron zu erleben. Neben ihren Theaterauftritten war sie bislang in mehr als 30 Filmen und Fernsehspielen zu sehen. Im Vorfeld war Ingrid van Bergen, die ebenfalls Mitglied des Burghof-Ensembles ist, für die Rolle des „alten“ Krull vorgesehen. Sie musste allerdings aufgrund von Fernsehverpflichtungen („Ich bin ein Star, holt mich hier raus“) auf ihre Mitwirkung verzichten.

 

 

> Kölnische Rundschau v. 07.05.2009  / Gastspiel in Bergisch-Gladbach

Die Welt will betrogen sein

 

Von Annelis Griebler

 

Es gibt sie ja nicht nur in der Abenteuer-Fantasie, nicht nur im Roman, wie jeder weiß, sondern auch im richtigen Leben: die Schwindler, Scharlatane, Blender, die gar nicht...

 

BERGISCH GLADBACH. Es gibt sie ja nicht nur in der Abenteuer-Fantasie, nicht nur im Roman, wie jeder weiß, sondern auch im richtigen Leben: die Schwindler, Scharlatane, Blender, die gar nicht besonders viel tun müssen, um unwiderstehlich zu sein, und auf die auch halbwegs gescheite Leute hereinfallen, ohne so recht zu wissen, warum.

Felix Krull ist so einer, Sonntagskind und Götterliebling, ein Opportunist reinsten Wassers, dabei scheinbar stets im Stande der Unschuld. Thomas Mann verschaffte ihm einen Platz in der Weltliteratur und sich selbst mit den „Bekenntnissen“ dieses charmanten Hochstaplers einen letzten großen Bucherfolg - 1954, ein Jahr vor seinem Tod.

Gelungenes Experiment

Verfilmt wurde der Bestseller schon in den 60er Jahren; nun unternahm das Landestheater Burghofbühne Dinslaken den Versuch, auch fürs Theater ein handliches Stück daraus zu destillieren. Riskant, ohne Zweifel. Doch das Ergebnis des Experiments - zum Ende der Spielzeit vorgestellt im Löwen - konnte sich durchaus sehen lassen.

Frank Riedes Inszenierung hat aus der facetten- und aktionsreichen Vorlage eine Szenencollage gemacht und intoniert Thomas Manns umständlich-artifizielle Prosa im Kammerton, mit pointiert parodistisch-ironischen Akzenten. Das Ganze kam zwar über ein Vorspiel - als Theater auf dem Theater - schwerfällig in die Gänge, gewann dann aber zügig an Tempo, Witz und Unterhaltungswert.

Felix (Gunnar Blume) agiert mit überzeugender und oft verblüffender schauspielerischer Behändigkeit. Sein Altes Ego (Evelyn Cron) kommentiert begleitend die Stationen seines unbürgerlichen Heldenlebens - angefangen bei ersten kriminellen Fingerübungen daheim, beim Bonbonklauen im Laden um die Ecke, über frühe Liebesexerzitien mit dem Kindermädchen Genoveva, als Simulant bei der Wehrdienstmusterung, als Liftboy und als für Liebhaber beiderlei Geschlechts interessanter Oberkellner Armand in Paris - bis hin zum Weltreisenstart als Marquis de Venoza und der vielversprechenden Begegnung mit den schönen Damen Kuckuck in Lissabon. Hier endet die Geschichte - vorläufig. „Wie, wenn der Roman hier stehen bliebe . . .?“ sinnierte Autor Mann in seinen Memoiren. So geschah es.

Es war erfreulich, nach langer Pause die Dinslaker Burghofbühne wieder einmal im „Löwen“ zu Besuch zu haben. Was ihre mitgebrachte Produktion der „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ vor allem auszeichnete, waren das gute Ensembles-Spiel und solide schauspielerische Präsenz in allen Mehrfachrollen, insbesondere in der Krull-Hauptpartie. Ärgerlich war, dass die Gäste es nicht für nötig hielten, ihr Publikum mit Programminformationen zu versorgen. Nicht einmal ein Handzettel war zu haben. Da wurde offenbar am verkehrten Ende gespart. Sicherlich hätte mancher Zuschauer gern etwas zum Nachlesen zur Hand gehabt zum nicht durchweg leicht zu erschließenden Inszenierungskonzept und zu den Darstellern. Normalerweise gehört das auch zum Gastspiel-Mindestservice. Und dabei sollte es bleiben.

 

 

 

> Kölner Stadtanzeiger v. 07.05.09  / Gastspiel in Bergisch-Gladbach

Genialer Blender und Götterbote

 

Von Günther Jeschke

 

Thomas Manns "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" waren als Bühnenfassung im Bergischen Löwen zu sehen. Mit Theater um Schein und Sein und um die Spielarten der Liebe begeisterte die Landesbühne Dinslaken.

 

Felix Krull

 

Felix Krull (Gunnar Blume, r.) und die feine Gesellschaft: Die Vorlage von Thomas Mann war in einer Bühnenfassung der Landesbühne Dinslaken im Bergischen Löwen zu sehen. (Bild: Arlinghaus)

 

Bergisch Gladbach - Zum dritten Mal in der laufenden Saison wurde im Bürgerhaus Bergischer Löwe eine Romanvorlage zum Theaterstück gestaltet. Neben der weniger gelungenen Bearbeitung von Goethes „Werther“ gab es zwei sehenswerte Bühnenfassungen nach Thomas-Mann-Romanen: „Buddenbrooks“ im November und jetzt „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Das Landestheater Burghofbühne aus Dinslaken war diesmal zu Gast und brillierte mit Regie- und Darstellerleistungen.

Der aus scheinbar wohlhabenden Verhältnissen stammende Felix Krull erkämpft sich gewaltfrei mit heiterem Naturell und blenderischem Halbwissen, begabt mit herausragender Rhetorik, eine Position bei den Reichen und Bewunderten. Er mogelt, trickst und täuscht überaus geschickt und weicht auch vor listigem Betrug nicht zurück. Er vergleicht sich mit Hermes, dem Götterboten, Gott der Diebe und der Redekunst.

Regisseur Frank Riede, zusammen mit dem Dramaturgen Lars Helmer auch für die Bühnenfassung verantwortlich, führte seine Darsteller hervorragend im spartanisch, aber gekonnt durch Projektionen und kleinere Umbauten variierten Bühnenbild. Er leitete die Geschichte mit einer Episode aus der Götterwelt ein, die zu einer aufgespannten Kuhhaut führte, als stete Erinnerung an die Jugendtaten des Gottes Hermes, dem Krull in so vielen Zügen gleicht. Im Chor intonierten die Götter das Thema dieses Hochstaplerlebens: „Die Welt, die will betrogen und geblendet sein.“

Genial erfand Riede die Dopplung des Hochstaplers: Als Erzählfigur des alten Krull agierte in weiblicher Gestalt die Schauspielerin Evelyn Cron, und den jungen Krull spielte Gunnar Blume in herausragender Weise. Ihnen gelang eine Musterungsszene unvergesslicher Art, in der Blume mit scheinbar unkontrolliertem Gesichts- und Körperzucken umhersprang und unentwegt quasselte, bis ihn Stabsarzt, Priester und Offizier ausmusterten. Die Erzählfigur vertiefte dabei den Eindruck des von Thomas Mann vorgesehenen epileptischen Anfalls durch ihre Gestik. Bravourös!

Ebenfalls überzeugend gelangen die Liebesabenteuer des Felix Krull, obwohl dem Darsteller die ihm zugeschriebene männliche Schönheit und Anziehungskraft - verglichen mit Horst Buchholz, dem Hauptdarsteller im Kurt-Hoffmann-Film von 1957 - fehlten. Die Episoden mit der Hure, der lüsternen Klosett-Schüssel-Fabrikanten-Ehefrau, der in Krull vernarrten Professoren-Tochter und dem schwulen Lord wurden voll und amüsant ausgeschöpft. Das gelang insbesondere, weil auch die Nebenrollen - jeweils in vier bis fünf Figuren - mit Iris Kunz, Anton Schieffer, Marco Pickart Alvaro und Martin Mann auf ähnlich hohem Niveau mitspielten wie die Protagonisten.

Besonders muss die Sprechweise des Ensembles gelobt werden. Die Darsteller vermochten, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist, deutlich, verständlich und trotzdem spannend und auch rasend schnell zu sprechen. So banden sie die Sprache Thomas Manns mit ihren komplexen Satzkonstruktionen und ihrer hochgestochenen Wortwahl glaubwürdig in das Geschehen ein.

Das Publikum spendete Auftritts-, Zwischen- und längeren Schlussapplaus. Es ist zu wünschen, dass diese Bühne mit ähnlich überzeugenden Inszenierungen weiterhin in Bergisch Gladbach zu Gast sein wird.

 

   impressum                                                                                                                                                                    © 2012 Frank Riede